Die wichtigsten Fakten zu Cannabis und Cannabidiol

Ein natürlicher Wirkstoff gegen Stress und chronische Schmerzen – unter diesem Etikett findest du CBD aktuell auf dem deutschen Markt. Doch die Herkunft der Substanz weckt die Skepsis im gesundheitsbewussten Verbraucher. Wie der Name verrät, stammt Cannabidiol schließlich aus der Cannabispflanze.

Ist es deshalb illegal oder macht sogar high? Diese Sorgen kannst du getrost beiseitelegen. Cannabidiol ist nur ein einzelner von über 100 pflanzlichen Inhaltsstoffen in Cannabis. Da es – wie übrigens die meisten anderen Cannabinoide auch – keinerlei psychoaktive Wirkung ausübt, trägt es keine Schuld am verruchten Image der Pflanze.

Im Folgenden erhältst du geballte Fakten zu den möglichen positiven Wirkungen von CBD auf die Gesundheit sowie zur aktuellen bundesdeutschen Gesetzeslage. Zuerst werfen wir jedoch einen Blick auf den kontroversen „Rohstoff“ für Cannabidiol: die Hanfpflanze.

Cannabis - die aufregende Geschichte einer umstrittenen Heilpflanze

Wer glaubt, Cannabis-Konsum sei die Erfindung der wilden 70er des letzten Jahrhunderts gewesen, liegt falsch. Tatsächlich nutzen viele Völker dieser Erde den gewöhnlichen Hanf seit Jahrtausenden als Medikament und Genussmittel. Eine der frühesten Erwähnungen findet die Pflanze im chinesischen Heilkräuterbuch Shennong Bencaojing. Das Werk, dessen Originalversion manche Forscher auf 2800 v.Chr. datieren, beschreibt Cannabis bereits als wirksames Heilmittel gegen Rheuma, Malaria und zahlreiche andere Beschwerden. Auch die Griechen und Römer der europäischen Antike wussten um den breiten Nutzen der Hanfpflanze: Während der Historiker Herodot im 4. Jahrhundert v.Chr. von Kleidung aus Hanffasern berichtet, lobte der römische Naturwissenschaftler Plinius im 1. Jahrhundert n. Chr. die Wirkung von Cannabis gegen Schmerzen.

Noch älter als die Schriftzeugnisse sind die archäologischen Funde zu Cannabis: Samen und Fäden, die etwa 4500 Jahre alt sind, gruben Forscher im Gebiet des heutigen Litauen aus. Im thüringischen Eisenberg entdeckte eine Archäologin sogar noch ältere Hanfsamen in den Überresten einer jungsteinzeitlichen Siedlung. Seit dieser Periode bis in die Neuzeit erschien die Pflanze in Europa als unverzichtbarer Rohstoff für Gewebe und Alltagsgegenstände: Taue, Papier und die Sehnen des mittelalterlichen Langbogens stellte man hierzulande traditionell aus Hanf her.

Weshalb Cannabis verboten wurde

Wer erfährt, wie häufig Cannabis zu Beginn des letzten Jahrhunderts als Schmerzmittel verordnet wurde, erschrickt erst einmal. Konnte sich damals jeder, der Kopfschmerzen vorgab, einen Rausch auf Rezept verordnen lassen? Was die rauschhafte Wirkung der Präparate betrifft, muss man jedoch einwenden: Der Gehalt des psychoaktiven Inhaltsstoffes THC fiel in Cannabispräparaten vor 100 Jahren sicher wesentlich niedriger aus als heutzutage. Eine gezielte Steigerung des natürlichen THC-Gehalts der Cannabispflanze durch Züchtung fand wahrscheinlich erst seit den 1960er Jahren statt. Zuletzt zeigte eine europäische Studie, dass der durchschnittliche THC-Gehalt in Haschisch und Marihuana sich zwischen 2006 und 2016 sogar verdoppelt hat.[1]

Cannabis-Verbot: Ein Erfolg der Lobbyisten?

Trotz erwiesener Wirkung wurde Cannabis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend von synthetischen Medikamenten wie Aspirin verdrängt – vor allem, weil diese präziser dosiert werden konnten. Das Verbot jedoch kam nicht aus gesundheitlichen, sondern vor allem aus wirtschaftlichen Interessen zustande: Im Zuge der 2. Opiumkonferenz im Jahre 1925 sollte ein internationales Abkommen zum Umgang mit Rauschmitteln gefunden werden. Ägypten schlug damals vor, Cannabis auf die Liste der illegalen Rauschmittel zu setzen. Dieses Bestreben wurde von Deutschland zunächst nicht unterstützt. Auch Indien, das wissenschaftliche Daten zur Wirkung und eine lange Tradition von Cannabis als Heilpflanze aufbieten konnte, sprach sich aktiv dagegen aus. Als Ägypten schließlich drohte, Importe der größten deutschen Pharmafirmen Bayer und Merck zu sanktionieren, übte Bayer Druck auf die deutsche Regierung aus. Anschließend willigte Deutschland notgedrungen in das Cannabis-Verbot ein.

USA: Rassismus und Profit trieben das Cannabis-Verbot voran

Auch in den USA repräsentierten die finanziellen Interessen einzelner vermutlich die treibende Kraft hinter dem Cannabis-Verbot. Marihuana wurde dort ab 1936 durch eine Welle rassistisch geprägter Zeitungsanzeigen diffamiert und für schwere Verbrechen wie Mord und Vergewaltigung verantwortlich gemacht. Neben der Diskriminierung von Afroamerikanern und hispanischen Immigranten stand mutmaßlich eine Absprache zwischen Zeitungs-Besitzer William Randolph Hearst und der Chemiefirma DuPont hinter der Kampagne: DuPont wollte zum fraglichen Zeitpunkt die synthetischen Fasern Rayon und Nylon patentieren lassen und als Konkurrenzfaser zum preiswerten Hanf etablieren. Zwischen dem Leiter der damaligen Drogenbehörde (Bureau of Narcotics) Harry J. Anslinger, dem Finanzminister Andrew W. Mellon sowie William Hearst und Dupont sind verwandtschaftliche und finanzielle Beziehungen nachweisbar, die diese Theorie stützen.

In neuerer Zeit beobachtet man dagegen eine Entwicklung, die Cannabis und seine Inhaltsstoffe vom Drogenimage weg in die Richtung eines gesundheitlich nützlichen Pflanzenrohstoffes rückt. Dazu gehören die Legalisierung von Cannabis als Medikament und Genussmittel sowie die Forschungen im Bereich der nicht-psychoaktiven Inhaltsstoffe wie Cannabidiol. 

Was ist Cannabidiol (CBD)?

Die Pflanzenteile von Cannabis enthalten ein weites Spektrum verschiedener Pflanzenstoffe, die größtenteils keine Drogenwirkung ausüben.

Für die psychoaktive Wirkung von Cannabis ist in erster Linie das enthaltene THC (Δ⁹-trans-Tetrahydrocannabinol) verantwortlich. THC gehört zur großen Gruppe der Phytocannabinoide, von denen Wissenschaftler bislang über 100 einzelne im Hanf identifizierten.

Das Cannabinoid, das aktuell unter medizinischen Perspektiven am meisten Interesse erregt, heißt Cannabidiol, kurz: CBD.

Darüber hinaus existieren noch etwa 112 weitere Cannabinoide im Hanf, welche folgenden Gruppen angehören:

▪️Cannabigerol-artige (CBG)

▪️Cannabichromen-artige (CBC)

▪️Cannabinodiol-artige (CBND)

▪️Tetrahydrocannabinol-artige (THC)

▪️Cannabinol-artige (CBN)

▪️Cannabitriol-artige (CBT)

▪️Cannabielsoin-artige (CBE)

▪️Isocannabinoide

▪️Cannabicyclol-artige (CBL)

▪️Cannabicitran-artige (CBT)

▪️Cannabichromanon-artige (CBCN)

Terpene (ätherische Öle) und Flavonoide runden das Pflanzenstoff-Spektrum von Cannabis ab.

Wie wirken Cannabinoide?

Cannabinoide existieren sowohl in Pflanzen (sog. Phytocannabinoide), als auch im menschlichen Organismus (Endocannabinoide). Unser Körper besitzt ein Netz aus Rezeptoren, welche als „Andockstellen“ für Cannabinoide dienen. Wissenschaftler teilen die Rezeptoren unseres Endocannabinoid-Systems nach ihrer Funktion in zwei Typen: CB1 und CB2. Vereinfacht gesagt funktionieren Rezeptoren auf der Zelloberfläche vereinfacht nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Sie können von einem (oder mehreren) definierten Stoffen besetzt werden und lösen damit eine Aktion aus, z.B. die Weiterleitung elektrischer Reizpotenziale zwischen Nervenzellen.

Das psychoaktive THC stimuliert vor allem an die CB1-Rezeptoren unseres Körpers und verursacht dort die typische rauschhafte Drogenwirkung.

CBD besitzt dagegen mannigfaltige Effekte auf den menschlichen Organismus. Forscher wiesen in Studien bislang unter anderem folgende Schlüsselmechanismen nach:

▪️CBD bindet als Antagonist (Gegenspieler) an den CB1-Rezeptor und hemmt dort die von THC ausgelösten Effekte, z.B. Angstgefühle und Appetitsteigerung.[2]

▪️Unter bestimmten Bedingungen stimuliert CBD aktiv die CB1-Rezeptoren und führt zu einer Entspannung der Blutgefäßwände.[3]

▪️CBD aktiviert den Vanilloid-Rezeptor Typ 1, welcher an der Regulation unseres Schmerzempfindens beteiligt ist.[4]

▪️CBD bremst den Abbau unseres körpereigenen Cannabinoids Anandamid, das ebenfalls für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich ist. Der durch CBD induzierte höhere Anandamid-Spiegel übt wahrscheinlich eine anti-psychotische Wirkung aus.[5]

▪️CBD stimuliert unter bestimmten Bedingungen den 5-HT1a-Rezeptor. Dieser Rezeptor zählt zur Gruppe der Serotonin-Rezeptoren und veranlasst bei Aktivierung eine angstlösende Wirkung.[6]

Aufgrund dieser und weiterer Mechanismen, zeichnet sich für CBD in aktuellen Studienergebnissen eine entzündungshemmende, krampflösende, angstlösende und antipsychotische Wirkung ab.

Cannabinoide: Hättest du es gewusst?

Nicht nur in Hanf, sondern auch in anderen Pflanzen sind Phytocannabinoide enthalten, die wie THC als CB1-Agonist wirken. So konnten Forscher demonstrieren, dass die Catechine aus Grünem und Schwarzen Tee ebenfalls die CB1-Rezeptoren stimulieren.[7] Gewisse Inhaltsstoffe der Echinacea-Pflanze und aus Kava-Kava (Piper methysticum) binden hingegen an die CB2-Rezeptoren.[8][9]