Der Entourage – Effekt

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“– so beschrieb bereits Aristoteles das, was wir heute Synergie-Effekt oder – in der Medizin – Entourage-Effekt nennen. Fachleute bezeichnen damit die Tatsache, dass Substanzen innerhalb des natürlichen Stoff-Komplexes ihrer Ursprungs-Pflanze eine größere Wirkung ausüben als in einer isolierten Form.

Dies gilt auch für Cannabis: Während die medizinische Forschung ihren Fokus in früheren Jahrzehnten stark auf den psychoaktiven Inhaltsstoff THC richtete, sieht man heutzutage ein noch größeres Potenzial der Heilpflanze Hanf in ihrem breiten Spektrum von Inhaltsstoffen. Immerhin finden sich dort nicht allein THC und CBD, sondern eine Vielzahl anderer Phytocannabinoide und Terpene.

Was sind Terpene?

Terpene sind die größte Gruppe unter den phytochemischen Substanzen: Sie umfasst etwa 15.000 Vertreter. Wissenschaftlich betrachtet sind Terpene organische Kohlenwasserstoffe – im Alltag nehmen wir sie als Düfte und Aromen von Blüten, Kräutern und Gewürzen wahr. Während menschliche Nasen und Gaumen sie zumeist als angenehm empfinden, sollen sie die betreffenden Pflanzen vor Fressfeinden verteidigen. Insekten und andere Schädlinge halten sich von den intensiven Aromen fern. Aus dem Eigengebrauch kennst Du viele Terpene wahrscheinlich eher unter dem Sammelbegriff „ätherische Öle“. Dabei solltest Du wissen, dass das ätherische Öl einer Pflanze nicht aus einer Einzelsubstanz besteht, sondern aus einer Mischung verschiedener Terpene zusammengesetzt ist. So kommt es dazu, dass für uns unterschiedlich anmutende Aromen wie Zimt und Rosmarin teilweise dieselben Inhaltsstoffe gemein haben. Die Mischung und das Mengenverhältnis bestimmen hier das individuelle Bukett.

Terpene in Cannabis – ein breites Spektrum hochwirksamer Einzelsubstanzen

Was die Cannabispflanze betrifft, vereinen sich etwa 200 unterschiedliche Terpene in ihrem charakteristischen Duft. Da die Mengenverhältnisse sortenspezifisch sind und von der Genetik der Pflanze gesteuert werden, weisen Cannabispflanzen einer Variante stets dieselbe Zusammensetzung an Terpenen auf, unabhängig davon, wo sie gewachsen sind. Eine bestimmte Art erkennen Fachleute daher auf Anhieb an ihrem individuellen Duft.

Cannabis-Terpene beeinflussen die Wirkung der Pflanze

Je nachdem, wie hoch der Gehalt eines bestimmten Terpens in einer Cannabis-Sorte ist, nimmt es Einfluss auf ihre Gesamtwirkung. So geben Fachleute zu Bedenken, dass die sedierende Wirkung einiger Indica-Varianten eventuell durch ihren relativ hohen Gehalt am entspannend wirkenden Myrcen entsteht. Sorten, die einen hohen Anteil Apha-Pinen aufweisen, verursachen dagegen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Dies könnte laut Experten daran liegen, dass Alpha-Pinen die psychoaktiven Wirkungen von THC vermindert.

Dass einzelne ätherische Öle hochwirksame Substanzen sind, beweisen zahlreiche Studien an menschlichen Patienten. Terpene entfalten dabei nicht nur günstige Effekte auf Entzündungen, Magen-Darm-Trakt und Atemwege, sondern auch auf die Psyche. Ätherisches CBD Öl, das aus Nutzhanf ohne THC gewonnen wurde, demonstrierte in einem kleinen Versuch eine entspannende, beruhigende und motivierende Wirkung auf die Probanden. Per EEG konnten Forscher sehen, dass die Hanf-Terpene Alpha- und Betawellen im Gehirn beeinflussen.[13]

Vonseiten der gesundheitlichen Behörden werden Terpene als sichere Substanzen eingestuft. Zwar können sie in höheren Konzentrationen reizend auf Schleimhäute, Haut und Augen wirken; allerdings werden diese Konzentrationen bei Cannabis-Ölen oder -Extrakten praktisch nicht erreicht. Darüber hinaus können Terpene bei manchen Menschen Allergien auslösen. Falls Du selbst unter Unverträglichkeiten gegenüber natürlichen Duftstoffen leidest, solltest u beim Einnehmen von Cannabis-Extrakten vorsichtig sein. Doch auch hier sind die Produkte aufgrund des eher geringen Gehalts an ätherischen Ölen meist gut verträglich. 

Das Zusammenspiel von Terpenen und Cannabinoiden

Für jedes der wichtigen Terpene konnten Forscher bereits positive Eigenschaften in Bezug auf den menschlichen Organismus nachweisen; unabhängig davon, ob die Substanz aus Cannabis oder einer anderen Pflanzenart gewonnen wird. Doch auch die weiteren Cannabinoide im Hanf – Substanzen abseits von THC und CBD – zeichnen sich durch ihre medizinische Wirksamkeit aus:

Cannabigerole lindern laut Studien Schmerzen, wirken antibakteriell und stimmungsaufhellend. Indem sie den TRPM8-Rezeptor blockieren, könnten sie eine hemmende Wirkung auf die Entwicklung von Krebserkrankungen haben.[14] Cannabichromene hemmen den Abbau unseres körpereigenen Endocannabinoids Anandamid und üben eine stark antidepressive Wirkung aus. Zudem zeigen sie sich heilsam bei Darmentzündungen.[15] Tetrahydrocannabivarin konnte in einer klinischen Studie mit Typ-2-Diabetikern den Nüchternblutzucker senken und die Funktionen der insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse verbessern. Forscher schlagen es deshalb als Therapeutikum zur Kontrolle des diabetischen Blutzuckerspiegels vor.[16]

Erste Studien beweisen den Entourage-Effekt bei Cannabis

Im Wissen um das große Potenzial sämtlicher Cannabis-Inhaltsstoffe liegt die Vermutung nahe, dass ein vollständiges Pflanzenspektrum hier größere Wirkungen zeigen könnte als ein einzelner Inhaltsstoff. Dabei steht nicht nur die Summe der Effekte in der Diskussion, sondern auch die mutmaßlichen förderlichen Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden und Terpenen.[17] In einem präklinischen Versuch, der eine Anti-Tumor-Wirkung von THC und einem Vollspektrum-Cannabis-Präparat auf Brustkrebszellen verglich, waren die vollständigen Präparate dem THC als Einzelsubstanz klar überlegen.[18] Damit rückt der Entourage-Effekt zunehmend in den Fokus der medizinischen Forschung zu Cannabis, aber auch zu anderen pflanzlichen Wirkstoffen. In punkto Wirtschaftlichkeit ist diese Entwicklung für die großen Pharmakonzerne eher abträglich – beruht die Wirkung auf dem vollständigen Inhaltsstoff-Profil einer Pflanze, kann man den Bedarf nicht durch das kostengünstige Synthetisieren eines einzelnen Wirkstoffes befriedigen. Stattdessen braucht es qualitätskontrollierte Züchtungen, die einen stabilen Gehalt an Terpenen und Phytocannabinoiden aufweisen.

Falls Du von den positiven Effekten von CBD als Nahrungsergänzungsmittel auf deine Gesundheit profitieren willst, solltest Du Produkte bevorzugen, die durch eine schonende Extraktion das gesamte Spektrum an Cannabinoiden und Terpenen bewahren.