Medizinische Anwendungsgebiete von Cannabidiol

Unser Endocannabinoidsystem erfüllt vielfältige Aufgaben. Daraus ergeben sich in der Medizin multiple Ansatzpunkte für einen therapeutischen Einsatz von CBD wie beispielsweise in Form von CBD Öl. Die wichtigsten Forschungsfelder haben wir im Folgenden zusammengefasst:

Chronische Schmerzen

CBD hat eine schmerzstillende (analgetische) Wirkung. Dies erklären Fachleute einerseits damit, dass Cannabidiol den Vanilloid-Rezeptor Typ 1 anspricht, der an der Modulation des Schmerzempfindens mitwirkt. Ferner hemmt Cannabidiol den Abbau des körpereigenen Endocannabinoids Anandamid, das ebenfalls an der Schmerzwahrnehmung beteiligt ist.[1]

Schließlich unterstützen die positiven Selbsterfahrungsberichte von CBD-Anwendern mit Migräne, Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie und starken Menstruationsbeschwerden, eine aktuelle Theorie: Chronisch schmerzhafte Krankheitsbilder könnten eventuell durch einen angeborenen oder erworbenen Endocannabinoidmangel entstehen. Wissenschaftler prägten dafür den Begriff CED (Clinical Endocannabinoid-deficiency Syndrome).[2]

Chronisch-Entzündliche Erkrankungen

Der entzündungshemmende Effekt von CBD im menschlichen Organismus wurde in vielen Studien erwiesen.[3] Daher sehen Fachleute gute Perspektiven für Cannabidiol als Therapeutikum für Krankheiten, die aus oxidativem Stress bzw. als Folge chronischer Entzündungsprozesse entstehen.

Im Falle von Arthritis ergaben erste Tierversuche, dass ein CBD-Gel, welches auf die betroffenen Gelenke aufgetragen wurde, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen bereits nach wenigen Tagen signifikant mindern konnte.[4] Bei Patienten mit Multipler Sklerose konnten Mundsprays mit THC und CBD deutlich zur Steigerung der täglichen Aktivität beitragen und die Symptome einer Reizblase lindern.[5]

Auch für chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sehen Mediziner in CBD ein geeignetes Therapeutikum. Da sich Cannabispräparate mit THC und CBD hier in der Vergangenheit als wirksam erwiesen, legen Wissenschaftler aktuell ihre Hoffnungen in CBD als Einzelmedikament ohne psychoaktive Nebenwirkungen.[6]

Hautkrankheiten

Nicht nur die CB1- uns CB2-Rezeptoren unseres Organismus bilden eine Andockstelle für CBD – im Laborversuch zeigten Forscher, dass Cannabidiol über die Aktivierung des Vanilloid-4-Rezeptors (TRPV4), das Wachstum von Talgzellen in den Talgdrüsen hemmt. Hier könnte ein Ansatzpunkt in der Therapie von Akne liegen.[7] Ferner hemmt CBD die hornbildenden Zellen der Oberhaut (Keratinozyten) in ihrem Wachstum. Dieser Mechanismus könnte bei Schuppenflechte von Vorteil sein, da sich die Krankheit durch eine Überaktivität der Keratinozyten auszeichnet.[8]

Selbst Patienten mit extrem seltenen Hauterkrankungen wie der Epidermolysis bullosa, im Volksmund „Schmetterlingshaut“ genannt, profitieren von CBD. Die Betroffenen leiden unter Blasenbildung, Wunden und Narben, Jucken, Schmerzen und einer verringerten Mobilität. Mehrere Fallbeispiele demonstrieren, wie die Beschwerden durch das Auftragen von CBD Balsam messbar zurückgingen. Unter der Anwendung konnten einige Patienten auf opioide Schmerzmittel verzichten, die sie regelmäßig gegen die Beschwerden eingenommen hatten.[9]

CBD – eine Chance gegen Krebs?

In der Forschung zu CBD und Krebs steht die Forschung noch am Anfang. In diversen Laborversuchen bewiesen Cannabidiol und andere Cannabinoide, dass sie die das Wachstum (Proliferation) von Krebszellen hemmen und deren programmierten Zelltod (Apoptose) auslösen können. In einer aktuellen Pilotstudie konnte CBD im Mausmodell das Tumorwachstum bei schwarzem Hautkrebs bremsen und die Überlebensrate der Tiere steigern. Sein Effekt war allerdings einem gängigen Krebsmedikament (Cisplatin) unterlegen.[10]

Da klinische Studien an Menschen in diesem Gebiet noch ausstehen, sind bislang keine Aussagen zum Nutzen von CBD bei Krebserkrankungen möglich. Potenzial zeigt Cannabidiol jedoch bereits jetzt in der Behandlung von Appetitlosigkeit und Abmagerung (Kachexie) im Rahmen einer Chemotherapie.

Neurologische Erkrankungen

CBD ist als Therapeutikum für Epilepsie bereits so intensiv erprobt, dass es den Status eines Medikaments, genauer eines sogenannten „Orphan-Arzneimittels“ genießt. So nennt man Medikamente, die Mediziner zur Behandlung extrem seltener Krankheitsbilder nutzen.

Die Effektivität von CBD gegen das Dravet-Syndrom, einer kindlichen Epilepsie, demonstrierten Forscher in einer placebokontrollierten Studie: Nach 14 Wochen Therapie hatte sich die durchschnittliche Häufigkeit der Anfälle von ehemals 12,4 auf 5,9-mal im Monat reduziert.[11] Auch beim seltenen Lennox-Gastaut-Syndrom, einer häufig unbehandelbaren Epilepsie-Form, konnte CBD die Anfallsfrequenz der Probanden um 43 Prozent vermindern.[12]

Was neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer betrifft, zeigte Cannabidiol im Tierversuch, dass es neurodegenerative Prozesse im Gehirn hemmen und die Bildung neuer Neuronen fördern kann. Auch kognitiven Defiziten der Versuchstiere beugte es vor bzw. machte sie teilweise rückgängig.[13] Für Parkinson liegen doppelblinde Studien an menschlichen Teilnehmern vor, die darauf hinweisen, dass CBD die Lebensqualität von Parkinson-Patienten ohne psychiatrische Komorbiditäten signifikant heben kann.[14]

Allergien

Über die Aktivierung der CB2-Rezeptoren hat Cannabidiol das Potenzial, regulierend auf das Immunsystem einzuwirken. Dieser Mechanismus macht es zu einem Kandidaten für die Therapie von allergischen Erkrankungen. Zum Beispiel bei allergischem Asthma, wo die Interaktion von T-Zellen mit Allergenen den Schlüsselmechanismus darstellt. T-Zellen sind an der Bildung von Zytokinen beteiligt, die ihrerseits Antigene produzieren. Eine Behandlung mit Cannabidiol konnte bisher im Tierversuch die Zytokin-Level signifikant senken und damit die allergische Reaktion eindämmen.[15] Ähnlich verhält es sich bei der allergischen Kontaktdermatitis, wo CBD im Laborversuch ebenfalls die Zytokin-Level reduzieren konnte und die allergische Reaktion der Haut damit bremst.[16]

Diabetes

In der Therapie von Diabetes entdecken Forscher zunehmend das Potenzial des Endocannabinoid-Systems. Während das nicht psychoaktive Cannabinoid Tetrahydrocannabivarin einen Einfluss auf den diabetischen Blutzucker- und Insulinspiegel ausüben kann,[17] deuten präklinische Versuche mit CBD darauf hin, dass es Gefäße, Herz-[18] und Netzhautzellen[19] vor den charakteristischen Schäden durch Diabetes schützen kann. Auch bei Diabetes Typ 1 konnte Cannabidiol im Tiermodell entzündliche Prozesse in der Bauchspeicheldrüse hemmen und Einfluss auf die Entwicklung der Krankheit nehmen.[20]

Cannabidiol zur Suchtentwöhnung

Gewohnheitsmäßiger Cannabiskonsum kann vielfältige Probleme mit sich bringen: eine psychische Abhängigkeit, Ängste und sogar strukturelle Veränderungen des Gehirns. Da Tests gezeigt haben, dass hohe Dosen THC auch bei gesunden Nicht-Cannabis-Konsumenten psychose-artige Zustände auslösen[21], liegt die Hoffnung der Forschung in CBD als THC Gegenspieler an den CB1-Rezeptoren. Bereits in den 1970er Jahren erkannten Forscher, dass CBD das Potenzial besitzt, durch THC verursachte Ängste zu vermindern.[22] Den Nutzen für ehemalige Cannabis-Konsumenten konnten australische Wissenschaftler jüngst an Männern zeigen, die seit durchschnittlich 5 Jahren Marihuana rauchten. Nach 10-wöchiger CBD-Einnahme durchlebten sie signifikant weniger psychotische Zustände und konnten ihre Aufmerksamkeit besser fokussieren.[23] Auch die strukturellen Veränderungen des Gehirns durch Cannabis, wobei die sogenannte graue und weiße Substanz im Volumen abnehmen, lassen sich bei Langzeit-Cannabispatienten bereits nach 10-wöchiger Therapie positiv beeinflussen.[24]

Andere Versuche legen nahe, dass CBD auch bei der Cannabis-Entwöhnung und der Prävention von Rückfällen helfen könnte.[25]

Neben Cannabissucht gibt es Hinweise, dass CBD therapeutisches Potenzial auf Nikotinsucht[26] und auf Süchte nach Opioiden, Kokain und Psychostimulanzien haben könnte.[27] 

Stress und psychische Krankheiten

Das freie Reden vor Publikum bedeutet für beinahe jeden Menschen eine akuten Stress-Situation. Dass CBD hier für Entspannung sorgen kann, zeigten bereits Versuche in den 1990er Jahren. Cannabidiol reduzierte wirksam die Stressempfindungen der Probanden und schnitt selbst im Vergleich zu starken Beruhigungsmitteln wie Valium gut ab.[28] Interessanterweise tritt der Effekt deutlicher bei Personen zutage, die unter einer ausgeprägten Sozialphobie leiden, als bei solchen, die kaum Angst davor haben, sich vor anderen zu präsentieren.[29]

Die soziale Interaktion kann CBD womöglich erleichtern, indem es unsere Fähigkeit verbessert, die Emotionen in der Mimik unseres Gegenübers zu deuten.[30] Darüber hinaus beeinflusst Cannabidiol unser „Instinktgehirn“, das limbische System.[31] Dort ist die Amygdala lokalisiert, die bei Stressreizen Alarmsignale sendet und uns in den Flucht- oder Kampfreflex treibt. CBD hemmt scheinbar die Reizkommunikation zwischen der Amygdala und dem Anterioren Cingulären Cortex (ACC). Dieser Hirnteil ist neben organischen Funktionen wie der Regulation von Herzfrequenz und Blutdruck auch für die Entscheidungsfindung und die Impulskontrolle zuständig.[32]

Posttraumatische Belastungsstörung

Diese Mechanismen geben Hoffnung für die Therapie bei Posttraumatischen Belastungsstörungen, welche sich durch eine Überaktivität der Amygdala auszeichnen. Bislang liegen hierzu nur Studien vor, die belegen, dass der Konsum von medizinischem Cannabis mit THC und CBD den Betroffenen messbar hilft und Symptome wie Flasbacks, Alpträume und selbstverletzendes Verhalten mindert.[33] Für CBD als Einzelwirkstoff zeigt zumindest ein Versuch, dass es Menschen beim „Verlernen“ einer negativen Konditionierung wirksam unterstützt – und zwar in einer sehr geringen Dosierung von nur 32mg.[34]

Zusammengefasst scheint CBD ein wirksames Akutmedikament in Angst- und Stresssituationen darzustellen – ob es auch bei generalisierten Angststörungen oder Zwangsstörungen helfen kann, bleibt zu untersuchen.[35]

Depressionen

Für die Verwendung von CBD bei Depressionen existieren bislang nur Resultate aus Tierversuchen. Im Allgemeinen testen Forscher dort, wie neugierig Mäuse eine neue Umgebung erkunden, wie stark sie eine gezuckerte Lösung normalem Wasser vorziehen oder wie lange sie beim Schwimmen in einem glattwandigen Bassin durchhalten. Depressiven Versuchstiere, die bei diesen Tests schlecht abschneiden, konnte CBD deutlich im Antrieb steigern und zu einem Verhalten auf „Normalniveau“ verhelfen.[36] [37] Allerdings benötigt es für seine Wirksamkeit die Präsenz den „Glückshormons“ Serotonin.[38] Mediziner diskutieren darüber, ob CBD mit seinem schnell eintretenden Effekt Depressions-Patienten unterstützen könnte, die mehrwöchige Wirkungsverzögerung von konventionellen Antidepressiva zu überbrücken.[39]

Psychosen und Schizophrenie

Wissenschaftler beobachten seit je her Ähnlichkeiten zwischen Cannabismissbrauch und Schizophrenie. Beides beginnt meist in der späten Jugend und erzeugt ähnliche Begleiterscheinungen wie einen verringerten Antrieb, neuropsychologische Defizite und Halluzinationen. Vergleichbar sind auch die Volumenveränderungen der sogenannten weißen und grauen Substanz im Gehirn. Diese potenzieren sich noch, wenn Schizophreniepatienten und deren nahe Verwandte gleichzeitig Cannabis rauchen.[40]

Da THC im Verdacht steht, die beschriebenen Veränderungen im Gehirn zu fördern, indem es manche Neurotransmitter stimuliert (Dopamin) und andere verringert (Glutamat), setzen die Wissenschaftler in neuen Therapie-Ansätzen auf den THC-Gegenspieler CBD. In einer randomisierten klinischen Studie verglichen Forscher die Wirkung von CBD und einem Placebo auf Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko. Die Probanden erhielten dabei jeweils 600mg Cannabidiol in einer Einmaldosis. Anschließende Worterkennungstests und Untersuchungen ließen die Forscher schlussfolgern, dass CBD die veränderten Funktionen in Striatum und Mittelhirn teilweise normalisieren konnte und das Psychoserisiko senkte.[41]

Zudem könnte CBD vor Psychosen schützen, indem es das Level des körpereigenen Cannabinoids Anandamid hebt. In einer doppelblinden placebokontrollierten Studie stellte man daher CBD dem antipsychotischen Medikament Amisulprid gegenüber. Beide Behandlungsarten erwiesen sich für Schizophrenie-Patienten als sicher und führten zu signifikanten Verbesserungen in der Symptomatik. CBD erzeugte dabei wesentlich weniger Nebenwirkungen. Gleichzeitig maßen die Forscher bei den CBD-Patienten wie erwartet einen deutlich gestiegenen Anandamid-Spiegel. Diese Wirkweise von CBD eröffnet laut den Studienautoren völlig neue Möglichkeiten in der Therapie von Schizophrenie.[42]

Autismus und ADHS

In einer aktuellen Studie konnte CBD-Öl die Symptome autistischer Kinder im Alter von 4 bis 22 Jahren deutlich lindern: Es reduzierte das selbstverletzende und fremdverletzende Verhalten um 67 Prozent, die Hyperaktivität um 68 Prozent und Ängste um 47 Prozent.[43] Hoffnungen hegen Fachleute auch für die Behandlung von ADHS, wo bislang kombinierte Cannabispräparate (CBD und THC) in randomisierten placebokontrollierten Studien Erfolg dabei hatten, die Hyperaktivität und Impulsivität der Betroffenen zu verringern.[44]