Hanfpflanze, CBD Hanf & Co - Was ist der Unterschied?

Juni 11, 2020

Hanfpflanze und CBD Hanf im Vergleich

Alle Sorten basieren auf einer Hanfpflanze … oder zwei?

Kaum ein Supplement ist aktuell so beliebt wie das Cannabidiol der Hanfpflanze. Wer es testen will, erfährt nach kurzer Online-Recherche: CBD Öl, Kapseln und Cremes entstehen auf der Basis der Hanfpflanze. Aber ist Hanf nicht dasselbe wie Cannabis und Marihuana, also eigentlich illegal? Oder existiert neben der Droge noch eine andere Hanfsorte, die nicht high macht? Im folgenden Vergleich bringen wir Ordnung ins Chaos von Cannabis, Nutzhanf, CBD-Hanf und Co.

Sowohl weibliche als auch männliche Pflanzen werden bereits seit Jahrtausenden als "Kultur Pflanzen" genutzt. Sie ist die Quelle für diverse Rohstoffe:

  • Fasern für Seile und Textilien
  • Hanfsamen (Seeds) und Speiseöl
  • Ätherisches Hanföl
  • Hanfsamen (Seeds) als Tier- und Vogelfutter
  • die Rauschmittel Haschisch und Marihuana
  • als beruhigender grüner Tee

Tatsächlich liefert eine einzige Pflanzenart all diese Erzeugnisse: Diese Pflanzen heißen im Wissenschafts-Jargon Cannabis sativa. Zumindest prägte diese Cannabis-Art, neben Cannabis indica, die europäische Hanflandschaft über Jahrtausende, bis der Naturforscher Jean-Baptiste Lamarck Ende des 18. Jahrhunderts noch eine zweite Art entdeckte: Cannabis indica nannte er sie in Anlehnung an ihren geografischen Ursprung. Im Vergleich hat die Indica-Pflanze breitere und dunklere Blätter, gleichzeitig ist sie kleiner im Wuchs als Cannabis sativa. Doch die ursprünglichen Unterschiede der zwei Arten fallen heute wenig ins Gewicht. Aktuell existieren weltweit Tausende unterschiedliche Cannabis Pflanzen und Züchtungen, bei denen ein Test beweist: Allesamt basieren einer Mischung zwischen Sativa und Indica Erbgut. In der populären Wahrnehmung unterscheidet jedoch kaum jemand nach Sortennamen wie Carma, Finola oder Ivory. Verbraucher kennen vielmehr den Rauschhanf, den Nutzhanf und, seit Kurzem, den CBD Hanf. Was die drei Gruppen unterscheidet, erklären wir im Folgenden:

I. Rauschhanf: Was macht Cannabis zur Droge?

Cannabis Pflanzen zu Rauschzwecken unterscheidet sich von männlichen Nutzhanf im Prinzip nur durch einen einzigen Inhaltsstoff: das psychoaktive THC (Tetrahydrocannabinol). Der Gehalt in der weiblichen Cannabispflanze bestimmt, wie stark das „High“ ausfällt, wenn man einen Joint raucht oder Haschisch konsumiert. Sämtliche andere Inhaltsstoffe der Hanfpflanze, z.B. die über 100 weiteren Cannabinoide, wirken nicht psychoaktiv auf den menschlichen Organismus. Daher hat Nutzhanf im Vergleich zur Droge in der EU eine einfache Definition: Hier handelt es sich um Cannabis-Sorten, die einen THC-Gehalt von 0,2 Prozent nicht überschreiten. Unterschieden werden diese zusätzlich in weibliche und männliche Pflanzen, da nur die weibliche Pflanze Samen und Blüten trägt. Die männliche ist hingegen hauptsächlich für die Bestäubung zuständig. Diese Arbeitsteilungist bei Indica, Sativa sowie bei allen weiteren Hanfsorten stets die gleiche. 

THC-reiche Cannabispflanzen – eine Laune der Natur?

Cannabissorten mit extrem hohen THC-Gehalten gibt es nicht von Natur aus. Sie wurden über Jahrhunderte dahingehend gezüchtet, dass ihr Rausch-Effekt möglichst groß ist. Die Behauptung von Marihuana-Konsumenten, bei Cannabis handele es sich um eine traditionelle Heilpflanze, sollte man daher kritisch prüfen: Ein Großteil der aktuellen Cannabissorten enthalten im Vergleich wahrscheinlich deutlich mehr THC als jene Pflanze, die bereits in der Antike zur Steigerung des Wohlbefindens genutzt wurde.

Droge als Medizin – verschiedene Cannabissorten im Test

„Rauschhanf“ wird aktuell in der EU zur medizinischen Verwendung angebaut. Immerhin ist Cannabis seit 2017 auch in Deutschland offiziell als Medikament zugelassen – Patienten sind deshalb auf die Produktion standardisierter angewiesen. Im Vergleich zu „Gras“, das man in zwielichtigen Milieus bekommt, ist Apothekenware bezüglich ihrer Inhaltsstoffe und Wirkung berechenbar. Diese Tatsache lenkt die wissenschaftliche Aufmerksamkeit auch auf den Vergleich zwischen THC und CBD. Aktuell sind mehrere Sorten zum Anbau medizinischer Cannabispflanzen auf dem Markt – ihr Vergleich offenbart große Unterschiede in ihrer Zusammensetzung:

  • Die Sorte Bedrocan enthält 19 Prozent THC und < 1 Prozent Cannabidiol
  • Die Sorte Bedrobinol liefert 12 Prozent THC und < 1 Prozent Cannabidiol
  • Die Sorte Bediolenthält 6 Prozent THC und 7,5 Prozent Cannabidiol

Der Test mit Anwendern zeigt, dass die hohen Dosen THC in den beiden erstgenannten Cannabissorten bei Patienten häufiger zu Appetitsteigerung führen. Bedrocan führte im Vergleich zu Bediol auch häufiger zu Depressionen und Ängsten.

Hier wird klar: CBD wirkt in Medizinalhanf ausgleichend auf die möglichen negativen Nebeneffekte von THC.

II. Nutzhanf: Hanf ohne High

Nutzhanf ist innerhalb der EU eigentlich eine wirtschaftliche Definition. Denn: Nur bestimmte Sorten werden in den Mitgliedstaaten zum Anbau zugelassen und erhalten ein Zertifikat. Hierfür muss eine männliche oder weibliche Sorte einen festgelegten Test absolvieren: Zwei Jahre lang in Folge müssen ihre durchschnittlich gemessenen Inhaltsstoffe den Grenzwert für THC unterschreiten. Aktuell umfasst der Katalog zugelassener Nutzhanf-Sorten in der EU rund 40 unterschiedliche Sorten. Nach dem jährlichen Test auf THC können Hanfsamen und Sorten, die die Grenzwerte überschreiten, jederzeit wieder für den Anbau gesperrt werden, wie jüngst die männlichen Samen (Seeds) der Sorte Carmagnola. Alle zertifizierten Nutzhanf-Sorten in der EU liefern die nötigen Rohstoffe für Öle, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel, Fasern und vieles mehr. Hier findest Du zudem ein passenden Wikipedia Eintrag zum Thema Hanf. 

Wer darf Nutzhanf anbauen?

Obwohl der Anbau von männlichen Hanfpflanzen im Prinzip „Cannabis ohne THC“ ist, darf ihn hierzulande nicht jeder einfach anbauen. Im Gegenteil: Die Produktion und der Anbau ist nur Landwirten gestattet, die sich dafür anmelden und die über Flächen einer bestimmten Mindestgröße verfügen. Warum dieser aufwändige Test? Weil Hanfpflanzen lebende Organismen sind, die ihre Inhaltsstoffe und Hanfsamen durch Mutationen verändern und dadurch wieder zu einer THC reicheren Pflanze werden können. Aus diesem Grund werden regelmäßig Nutzhanf-Sorten der EU wieder aus dem Verkehr gezogen und auch Hanfbauern dürfen nur zertifizierte Samen nutzen, anstatt ihre Pflanzen mit selbst geernteten Samen (Seeds) in Eigenregie zu vermehren. Zu garantieren, dass die männliche und weibliche Pflanze, die natürlicherweise ein leichtes Rauschmittel darstellt, keinerlei psychoaktive Effekte bewirken, ist züchterisch gesehen eine Herausforderung.


III. CBD Hanf – Cannabis mit extra viel Cannabidiol

Im Zuge der Begeisterung für CBD bieten viele Händler auch Tee oder Blüten von „CBD Hanf“ an. Doch dabei handelt es sich nicht um eine weitere Variante neben Nutzhanf und Rauschhanf, sondern um eine Hanfpflanze mit einem relativ hohen CBD-Gehalt. Im direkten Vergleich wird nämlich deutlich, dass der Cannabidiol-Anteil der zertifizierten Nutzhanfsorten stark variiert. Er bewegt sich zwischen 1,5 % (z.B. in der französischen Sorte Fedora) und bis zu 7 % (in der ungarischen Sorte Kompolti). Bereits ab einem CBD-Gehalt von 3 bis 4 Prozent sprechen Fachleute von einem hohen Anteil Cannabidiol – ergo vermarkten Hersteller derartige Sorten unabhängig von indica oder sativa generell als „CBD Hanf“.

Brauchen Hersteller CBD Hanf für Cannabidiol Öl und Co?

Die meisten Nutzhanfsorten liegen mit rund 2 Prozent im CBD-Anteil eher niedrig. Allerdings sind Hersteller von CBD Öl und anderen Hanf Kosmetika in der Produktion nicht auf CBD-reiche Sorten angewiesen. Im Herstellungsverfahren extrahiert man sämtliche Cannabinoide, Flavoniode und Terpene einer Cannabispflanze schonend durch ein ähnliches Verfahren, mit dem man auch Kaffee entkoffeinieren kann. Das Ergebnis ist ein hochdosierter Cannabis-Extrakt, in dem Cannabidiol bis zu 50 Prozent ausmachen kann. THC ist dagegen kaum vorhanden, da der Extrakt stets aus Nutzhanf gewonnen wird. Mithilfe verschiedener Lösungsmedien (Pflanzenöl, MCT Öl) entsteht aus einem hochkonzentrierten Extrakt dann ein Nahrungsergänzungsmittel mit einem definierten Gehalt. Zum Beispiel die verschiedenen Cannabidiol Öle mit 5, 10 oder 20 Prozent Cannabidiol. Alle Produkte müssen regelmäßig einen Test durchlaufen, um einen THC-Anteil unter 0,2 Prozent zu garantieren.

Noch einmal in Kürze: Alle 3 Hanfpflanzen im Überblick

 

Rauschhanf / Medizinalhanf

Nutzhanf

CBD Hanf

THC-Gehalt

< 1 % bis 20 %

< 0,2 %

< 0,2 %

CBD-Gehalt

< 1 % bis 9 %

< 1 % bis 7 %

>3 %

Rohstofflieferant

Nein

Ja

Ja

Basis für Nahrungsergänzungsmittel / Kosmetik mit Cannabidiol

Nein

Ja

Ja

Medizinische Verwendung

Ja

Nein

Nein

 

Der Vergleich macht es klar: Bei allen Hanfsorten handelt es sich eigentlich um dieselbe Pflanze; dabei haben jedoch unterschiedliche Züchtungen verschiedene Inhaltsstoffe. Genauer: Der THC-Gehalt fällt unterschiedlich aus. Doch welchen Hanf darf man als Verbraucher in Deutschland eigentlich legal kaufen?

  • Rauschhanf: Wer Cannabis mit einem hohen THC-Gehalt kauft bzw. besitzt verstößt in Deutschland gegen das Betäubungsmittelgesetz. Eine Ausnahme bilden nur Patienten, die Cannabis auf Rezept erhalten und die Blüten in der Apotheke bekommen. Achtung beim Drogen-Test: Wer Cannabis auf Rezept erhält, darf die Blüten zwar konsumieren aber natürlich nicht unter ihrer Einwirkung am Straßenverkehr teilnehmen!
  • Nutzhanf: Hanf ohne THC sollte man doch eigentlich legal kaufen können? Leider nein. Selbst für Nutzhanf schreibt das deutsche Betäubungsmittelgesetz vor, dass er vom Produzenten nur zur gewerblichen Weiterverarbeitung abgegeben werden darf. Wer als Privatperson beim Nutzhanf-Bauern zum Selberpflücken auflaufen will, verstößt streng genommen gegen das Betäubungsmittelgesetz, auch wenn keine Drogen mit im Spiel sind. Wer mit mehreren Kilo Blüten von der Polizei aufgegriffen wird, bekommt wahrscheinlich große Schwierigkeiten: Schließlich haben die Beamten keinen Test in der Tasche, der rasch den THC-Gehalt der Pflanze bestimmen kann.
  • CBD Hanf: Hier gelten dieselben Beschränkungen wie für Nutzhanf. Privatpersonen ohne medizinisches Rezept dürfen die Blüten nicht als Rohware kaufen, selbst wenn ihnen ein Zertifikat beiliegt, der ihren THC-Gehalt unter 0,2 Prozent bescheinigt.

Dennoch: Verbraucher erleiden keinen Nachteil, weil sie Nutzhanf und CBD Hanf nicht als Rohware bekommen. Schließlich steht ihnen die gesamte Palette an Hanfprodukten trotzdem offen: Von Hanfsamen (Seeds), über Öl, Textilien und natürlich Kosmetika mit Cannabidiol. CBD Tee kommt hier der unverarbeiteten Pflanze wohl am nächsten; immerhin besteht er allein aus den getrockneten und zerkleinerten Blättern und Blüten einer THC-armen Nutzhanfsorte.


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