CBD und das Immunsystem – kann Cannabidiol die Immunabwehr unterstützen?

April 29, 2019

Frierende blonde Frau mit Wollmütze

Wissenschaftler sehen CBD bei Krankheiten des Immunsystems zukünftig als Therapie-Perspektive

Erkältungen, Herpes, Allergien– viele Beschwerden im Alltag führen wir darauf zurück, dass unser Immunsystem nicht optimal funktioniert. Mal scheint es uns im Stich zu lassen, mal reagiert es stärker, als es sollte. Wie wissenschaftliche Studien zeigen, könnte CBD Öl hier regulierend eingreifen:

Wie arbeitet unser Immunsystem?

Unser Organismus kommt täglich mit Bakterien, Viren und Umweltgiften in Kontakt. Treten fremde Zellen in den Körper ein, brauchen wir eine Instanz, die hier Freund von Feind unterscheidet. Diese Aufgabe übernimmt das menschliche Immunsystem. Es ist kein Leitungsnetz wie unser Blutkreislauf und unsere Nervenzellen, sondern eher ein Kommunikations-Netzwerk, an dem Zellen verschiedenster Typen teilnehmen. Sie übermitteln sich gegenseitig Informationen über potenziell bedrohliche Stoffe und den Gesundheitszustand von Gewebe und Organen. Dringt ein Stoff in das System ein, der als feindlich identifiziert wird, lösen bestimmte Signalstoffe (Zytokine) zunächst einen Entzündungsprozess aus. Dies alarmiert weitere Immunzellen wie unsere Leukozyten oder Killerzellen. Sie haben die Fähigkeit, Krankheitserreger zu vernichten und zu verschlingen. Auch infizierte Körperzellen werden durch die Abwehrzellen vernichtet.

So effizient es klingt – das menschliche Immunsystem arbeitet nicht immer optimal. Allergien entstehen, wenn die Immunabwehr auf bestimmte Pflanzenstoffe überreagiert. Autoimmunerkrankungen dagegen entwickeln sich, wenn die Abwehrzellen fälschlicherweise eigene Körperzellen angreifen.

Immunsystem und Cannabinoide – wo ist der Zusammenhang?

Rezeptoren, also „Andockstellen“ für Cannabinoide befinden sich auf vielen Zellen des Immunsystems. T-Zellen, neutrophile Granylozyten, Monozyten, NK-Zellen und B-Zellen weisen CB2-Rezeptoren auf, an denen Cannabinoide anbinden können. Tun sie dies, locken sie durch chemische Signale weitere Immunzellen an eine geschädigte Stelle im Organismus. Gleichzeitig sind Cannabinoide jedoch auch dafür verantwortlich, ausgleichend auf das Immunsystem einzuwirken und Überreaktionen zu vermeiden. Diese Aufgabe übernehmen im Normalfall unsere körpereigenen Cannabinoide, die Endocannabinoide. Bestehen hier jedoch Defizite oder Ungleichgewichte, können pflanzliche Cannabinoide wie CBD hilfreich sein.

Die optimale Funktion unseres Immunsystems hängt direkt vom Gleichgewicht unseres Endocannabinoidsystems ab. Werden die CB1-Rezeptoren in unserem Körper stark gehemmt, kann das Immunsystem in seiner Funktion beeinträchtigt werden. Fehlen dem Organismus Endocannabinoide wie Anandamid und 2-AG, können sich daraus unter Umständen Krankheiten wie Reizdarm, Fibromyalgie oder Migräne entwickeln. Wissenschaftler glauben, dass die Ergänzung von pflanzlichen Cannabinoiden in diesen Fällen die Gesundheit fördern kann.[1]

Wie kann CBD das Immunsystem beeinflussen?

CBD bindet sowohl an CB1- wie auch CB2-Rezeptoren im menschlichen Körper an und ruft dort vielfältige Effekte hervor. Sichtbar machen konnten Wissenschaftler diese Prozesse im Tiermodell einer Arthritis-Erkrankung: Die Gelenkentzündung gilt als Autoimmunerkrankung, entsteht also aus der Fehlreaktion des Immunsystems. Behandelten die Forscher die erkrankten Mäuse mit CBD - ganz gleich, ob per Injektion oder oral - wurden bestimmte Signalstoffe in der Gelenkflüssigkeit reduziert. Diese Signalstoffe sind normalerweise dafür verantwortlich, Immunzellen herbeizurufen und Entzündungen zu verursachen. Aus dem Experiment schlossen die Forscher, dass CBD regulierend auf das Immunsystem einwirkt und Entzündungen hemmt.[2] Doch sein Effekt passiert nicht nur auf Zellebene: Ratten, deren arthritische Kniegelenke mit CBD-Salbe behandelt wurden, zeigten nach wenigen Tagen eine gesteigerte Beweglichkeit und geringere Schmerzempfindlichkeit.[3]

CBD – insbesondere bei Autoimmunerkrankungen eine Perspektive?

Aufgrund der Ergebnisse bisheriger Studien sehen Wissenschaftler ein Potenzial für CBD bei Autoimmunerkrankungen. Cannabidiol könnte hier unter Umständen entzündliche Prozesse lindern und eine überschießende Immunreaktion abschwächen. Die möglichen Anwendungsgebiete sind dabei sehr breit:

CBD bei Hautkrankheiten

Schuppenflechte, Neurodermitis und Kontaktallergien könnten laut Fachleuten in Zukunft eventuell mit CBD behandelt werden.[4] In mehreren Laborversuchen wiesen Forscher nach, wie es etwa die Bildung von Hornzellen (Keratinozyten) hemmt[5] und auch die Talgproduktion reguliert.[6] Hier liegen Perspektiven für durch Immunreaktionen bestimmte Hauterkrankungen wie die Neurodermitis.

CBD bei Multipler Sklerose

Diese Autoimmunerkrankung des Nervensystems wird bereits erfolgreich mit CBD/THC-Präparaten therapiert. Zumindest im Bereich der Muskelspastiken konnten Mundsprays mit Cannabinoiden bereits vielen Patienten helfen. Laut einer Metaanalyse, die 14 Studien vom Jahre 2011 bis 2017 überblickt, zeigt das Präparat bei 42 bis 82 Prozent der Betroffenen einen signifikanten Erfolg.[7]

Dass auch CBD allein bei MS sinnvoll sein könnte, legen die Ergebnisse von Tierversuchen nahe. Hier reduzierte Cannabidiol die Schäden an den Nervenzellen und die entzündlichen Vorgänge messbar.[8]

CBD bei entzündlichen Darmerkrankungen

Krankheiten wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa fallen ebenfalls in den Bereich der Autoimmunerkrankungen. Entzündungen im Darm rufen hier schwere Symptome wie Durchfälle, Krämpfe und Nährstoffmangel hervor. Forscher aus Italien vermuten, dass hier sogenannte Gliazellen übermäßig viele Wachstumsfaktoren und entzündungsfördernde Signalstoffe freisetzen. CBD konnte im Laborversuch die Aktivierung der Gliazellen kontrollieren und die entzündlichen Prozesse damit abmildern.[9]

CBD bei Stress – hier stärkt es unser Immunsystem

So wie CBD bei Autoimmunerkrankungen unser Immunsystem eventuell bremsen kann, stärkt es unsere Abwehrkräfte wahrscheinlich über einen anderen Mechanismus. Stress bildet nämlich einen zentralen Faktor, wenn es um das Herabsetzen der Abwehrkräfte geht. Dies hat fast jeder schon einmal in der Praxis erlebt: Wenn eine wichtige Prüfung ansteht oder ein einschneidendes Lebensereignis verarbeitet werden will, lassen Infektionen und Erkältungen meist nicht lange auf sich warten. CBD kann hier als Unterstützung dienen. In mehreren Studien konnte es den akuten Stress der Teilnehmer deutlich mindern. Dabei verglichen Forscher es mit bekannten Angstlösern wie Valium. Anders als dieses starke Medikament aus der Gruppe der Benzodiazepine muss man bei CBD allerdings kein Suchtpotenzial befürchten.

Welches CBD Produkt kann man zur Unterstützung des Immunsystems einnehmen?

CBD als Nahrungsergänzungsmittel ist in Deutschland frei verkäuflich und unbedenklich, was mögliche Nebenwirkungen anbelangt. Für Einsteiger eignen sich hier 5-prozentiges CBD Öl und CBD Spray, da sie über die Mundschleimhaut schnell resorbiert werden. Wer das natürliche Hanfaroma nicht mag, sollte einfach zu geschmacksneutralen CBD Kapseln greifen. Um einen Effekt individuell abschätzen zu können, solltest du dich an die Dosierempfehlung des Herstellers halten und die Einnahme zunächst ein bis zwei Wochen lang verfolgen, bis du unter Umständen die Dosierung änderst.