Hilft CBD Öl bei Fibromyalgie-Schmerzen? Wir prüfen für euch die Fakten

Februar 02, 2020

CBD Öl oder CBD Tropfen bei Fibromyalgie

Probiert CBD Öl bei Fibromyalgie-Beschwerden“, derartige Tipps liest man aktuell in vielen Erfahrungsberichten und Blogs. Ganz gleich, ob CBD Öl oder andere Haus- und Naturheilmittel – der Hilfebedarf bei Fibromyalgie-Patienten ist hoch, denn die Krankheit quält sie mit chronischen Muskelschmerzen, schlechtem Schlaf und Erschöpfungszuständen. Und auch mit Selbstzweifeln, da die Ursache der Fibromyalgie bis heute im Dunkeln liegt. Ärzte erkennen sie häufig spät und zwingen Patienten zum Improvisieren. Was ist also dran an der Empfehlung zum CBD Öl? Kann Cannabidiol hier echte Hilfe bringen oder profitiert es vom Placebo-Effekt? Wir klären auf in puncto CBD Öl bei Fibromyalgie:

Was ist Fibromyalgie?

Wörtlich übersetzt bedeutet Fibromyalgie „Muskelfaserschmerz“. Typisch für die Krankheit sind wiederkehrende Muskel- und Gelenksschmerzen, insbesondere im Rückenbereich. Aufgrund der chronischen Schmerzbelastung zählen Mediziner die Fibromyalgie auch zu den rheumatischen Erkrankungen; daher ist auch die Bezeichnung „Weichteilrheuma“ üblich. Die zentralen Symptome lassen sich allerdings nicht auf Muskelschmerzen begrenzen, sondern umfassen die Folgenden:

Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis ist die Fibromylagie keine entzündliche Erkrankung und lässt sich daher nicht über Entzündungsmarker im Blut diagnostizieren. Fachleute haben stattdessen ein Standard-Verfahren entwickelt, die Krankheit über bestimmte Druckpunkte an Hüften, Schultern und Knien zu erkennen. Sind mindestens 11 der insgesamt 18 Druckpunkte („tender points“) schmerzhaft und wurden vorab andere organische Erkrankungen ausgeschlossen, kommt Fibromyalgie als Diagnose in Frage. Fachleute glauben, dass eine Störung der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem die grundlegende Ursache der Fibromyalgie-Beschwerden bildet. Die Schmerzschwelle der Patienten ist deutlich herabgesetzt und das Gehirn meldet Schmerz, auch wenn kein physiologischer Reiz vorhanden ist.

Welche Medikamente helfen bei Fibromyalgie?

Fibromyalgie zu behandeln heißt also in erster Linie, den Schmerz zu besiegen. Die Schwierigkeit daran: Klassische Schmerzmittel bringen Fibromyalgie-Patienten zumeist keine Linderung. Damit scheiden auch die freiverkäuflichen Präparate wie Aspirin, Ibuprofen und Paracetamol zur Behandlung aus. Stattdessen bedienen sich viele Mediziner bestimmten Antidepressiva, die sie „Off-Label“ gegen die Fibromyalgie-Beschwerden verschreiben. Insbesondere Präparate, die den Serotoninspiegel erhöhen, bringen den Patienten Verbesserungen aber auch unangenehme Nebenwirkungen. Sie können der Libido schaden, Vergesslichkeit begünstigen, verursachen Herzflattern, Schweißausbrüche oder einen trockenen Mund. Daher überrascht es nicht, dass viele Patienten eine verträgliche Alternative suchen.

Nützt CBD Öl bei chronischen Schmerzen?

Mediziner bescheinigen Cannabidiol eine schmerzlindernde (analgetische) Wirkung. Wie sie entsteht, ist bislang nicht exakt entschlüsselt. Fakt ist: CBD stimuliert körpereigene Schmerz-Rezeptoren wie den Vanilloid-Rezeptor Typ 1 und steigert das Level unseres körpereigenen Cannabinoids Anandamid. Auch dieses „Glückseligkeitshormons“ hat großen Einfluss auf das Schmerzempfinden.

CBD Tropfen gegen Kribbeln, Brennen und Jucken

Patienten mit Nervenschmerzen (Polyneuropathien) beschreiben ihre Beschwerden als sehr belastend. Ständig empfinden sie in ihren Gliedmaßen, Händen und Füßen ein Kribbeln und Brennen, für das keine organische Ursache auffindbar ist. In diesem Punkt ähnelt das Krankheitsbild der Fibromyalgie. Bei Polyneuropathie-Patienten konnte eine doppelblinde Studie mit Placebokontrolle bereits zeigen, dass Präparate mit CBD und THC die Schmerzen und Irritationen deutlich verbessern können.[1] Die geplagten Patienten berichteten darüber hinaus, dass die Cannabinoide sie besser schlafen ließen. Andere Fallberichte konzentrieren sich auf CBD als Einzelwirkstoff bei Schmerzen. Mediziner registrierten hier drei Fälle, in denen Patienten CBD Tropfen in Eigenregie gegen ihre schmerzhafte Hauterkrankung (Epidermolysis bullosa) einsetzten. Ein Patient konnte unter Einnahme von CBD Tropfen sogar erstmals auf Opiate verzichten, die er sonst gegen ihre starken Schmerzen einnahm. [2]


Existieren Studien zu Fibromyalgie und CBD Öl?

Zu diesem Zeitpunkt (Stand: Januar 2020) existieren noch keine großen klinischen Studien zum Effekt von CBD Öl auf Fibromyalgie-Symptome. Dennoch existieren die Daten aus kleineren Versuchen, die neugierig machen:

Könnte ein Cannabinoid-Mangel die Schmerzen bei Fibromyalgie verursachen?

Forscher sind bereits seit langem den chronischen Schmerzen auf der Spur, die Betroffene bei Fibromyalgie, Migräne und dem Reizdarmsyndrom verspüren. Diese Schmerzen lassen sich nämlich nicht einfach mit organischen Ursachen verbinden. Für die Betroffenen ist das besonders belastend – sie stehen schnell im Verdacht, sich Beschwerden nur „einzubilden“. Im Jahre 2016 wurde eine Studie[3] publiziert, die eine These entwickelte: Könnten die Schmerzen bei Fibromyalgie und anderen Krankheiten das Anzeichen eines Mangels an körpereigenen Cannabinoiden sein? Ein Indiz dafür ist, dass Betroffene mit Fibromyalgie, Kopfschmerzen und Reizdarmsyndrom gut auf die Gabe von CBD Tropfen ansprechen.

Medizinisches Cannabis oder CBD Öl?

Medizinisches Cannabis gilt als wirksame Therapiemöglichkeit bei chronischen Schmerzen. Hier lautet jedoch die Frage vieler Patienten: Macht das psychoaktive THC die Wirkung aus oder profitiere ich als Schmerzpatient auch von CBD Öl ohne Rauschwirkung? Niederländische Wissenschaftler organisierten dazu eine Studie[4] mit 20 Fibromyalgie-Patienten, die unterschiedliche Cannabis-Arten gegen ihre Schmerzen erhielten. Dabei verzeichneten diejenigen, die eine besonders CBD-reiche Cannabissorte (Bediol) nutzten, am häufigsten eine 30-prozentige Schmerzlinderung.

Im Tierversuch verringert CBD Muskelschmerzen

Auf der Suche nach einer Therapiemöglichkeit für Fibromyalgie konnten Forscher zumindest an Versuchsratten demonstrieren, wie CBD Muskelschmerzen verhindert. In der Kombination mit dem Wirkstoff Cannabinol reduzierte CBD bestimmte Wachstumsfaktoren in den Nerven, die für eine gesteigerte Schmerzwahrnehmung verantwortlich sind.[5]

Die Gliazellen – ein Schlüssel zur Fibromyalgie?

Bislang liegt im Dunkeln, welche Prozesse im Körper genau die Fibromyalgie-Schmerzen hervorrufen. In jüngster Zeit richtet sich die Konzentration der Forschung auch auf sogenannte Gliazellen, Immunzellen des zentralen Nervensystems. Sie könnten Entzündungen hervorrufen, die letztendlich zu Schmerzreaktionen führen. Dass CBD die Aktivität der Gliazellen kontrollieren kann, demonstrierten Forscher bereits 2011, als sie Darmgewebe unter Einfluss von CBD im Labor untersuchten. [6] Hier besteht Anlass zur Hoffnung für Reizdarm-Patienten aber auch für Fibromyalgie-Betroffene.

Vegetative Begleitsymptome: Hilft CBD Öl bei Stress und schlechtem Schlaf?

Nicht nur die Schmerzen stehen bei Fibromyalgie im Mittelpunkt, sondern auch psychische Belastungen und Schlafstörungen quälen die Betroffenen. An diesen Punkten könnte CBD Öl eine wichtige Ergänzung zur Therapie bilden:

Kann CBD Öl die Psyche unterstützen?

In vielen Versuchen zeigt sich, dass Cannabidiol eine vegetative Beruhigung auslöst, indem es den Blutdruck senkt. Doch könnte es sich auch beruhigend auf die Psyche auswirken und möglicherweise Ängste, Depressionen und Stress positiv beeinflussen? Im Falle der Fibromyalgie könnte das den Betroffenen helfen, da kreisende Gedanken, Sorgen und Resignation auch Teil der Symptomatik sind.

Studien belegen für CBD eine nachweisbare angstlösende (anxiolytische) Wirkung. Sie wurde bestimmt, indem man Probanden mit Sozialphobie mit ihrer größten Angst konfrontierte und vor Publikum sprechen ließ. Als Vergleichsgruppe fungierten Personen, die keine Angst vor öffentlichen Auftritten hatten. Im Ergebnis reduzierte CBD die Ängste der Sozialphobiker deutlich und verringerte ihre Stressreaktionen. Die Performance der CBD-Gruppe unterschied sich schlussendlich nicht mehr von der Sprechleistung der psychisch ausgeglichenen Probanden. [7] In weiteren Studien wurde die anxiolytische Wirkung von CBD mit der von Valium und dem Antidepressivum Ipsapiron verglichen – dabei schnitt Cannabidiol vergleichbar gut ab. [8] Menschen mit Fibromyalgie, die nicht auf Antidepressiva zurückgreifen möchten, finden in diesen Versuchen also durchaus Argumente, CBD Öl für sich auszuprobieren.

CBD Öl für einen besseren Schlaf bei Fibromyalgie

Viele Fibromyalgie-Patienten klagen über Schlafstörungen. Mediziner bringen das mit einem Mangel des Wachstumshormons bei ihnen in Verbindung. Dieses Hormon sorgt für die Regeneration unserer Körperzellen und wird vornehmlich in den Tiefschlafphasen gebildet. Da diese Phasen bei Fibromyalgie-Patienten verkürzt sind, erklärt sich der niedrige Wachstumshormon-Spiegel. Nicht nur für die mentale Leistungsfähigkeit, sondern auch für die körperliche Erholung und die Funktion des Immunsystems brauchen Betroffene daher einen besseren Schlaf.

Kann CBD Öl den gesunden Schlaf fördern?

Cannabidiol fördert erwiesenermaßen die Entspannung – viele Erfahrungsberichte von Anwendern sprechen für einen positiven Effekt auf die Schlafqualität. Leider fehlen bislang große klinische Studien, doch erste Versuche weisen in die richtige Richtung: Überblicksstudien bescheinigen CBD, dass es Störungen des REM-Zyklus mindern kann und die Schläfrigkeit am Tag verringert. Darüber hinaus zeigen CBD-haltige Präparate positive Wirkungen auf den Schlaf von Schmerzpatienten. [9]

Parkinsonpatienten, deren Schlaf durch unwillkürliche Muskelzuckungen und Alpträume gestört war, konnten von CBD profitieren.[10] Auch Patienten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen zeigten unter der Einnahme von CBD weniger Ängste und Schlafstörungen. [11]

Keine Nebenwirkungen durch Schlafmittel

Der Vorteil von CBD Tropfen liegt auch in seiner hohen Verträglichkeit. Während starke Schlafmittel den natürlichen Schlafrhythmus stören können und auch am Tag ein Gefühl der Benommenheit verursachen, sind CBD Tropfen arm an Nebenwirkungen. Dass Cannabidiol den natürlichen Schlafzyklus von gesunden nicht beeinträchtigt, lautet sogar Fazit einer eigens durchgeführten Studie. [12] Anders als Benzodiazepine wie Valium oder die sogenannten Z-Substanzen birgt CBD Öl nicht das Risiko einer Abhängigkeit oder einer Toleranzbildung.

CBD Öl – wenige Tropfen bereichern den Schlaf-Gut-Drink

In seiner Form als CBD Tropfen eignet sich Cannabidiol gut dafür, mit Speisen und Getränken kombiniert zu werden. Es kommt schließlich nicht von ungefähr, dass Cannabis-Konsumenten neben dem Rauchen auch Cannabis-Kakao oder Hasch-Brownies lieben. Sämtliche Cannabinoide sind lipophil und verteilen sich gut in fettreichen Speisen und Getränken. Menschen mit Schlafproblemen bei Fibromyalgie können sich diese Eigenschaft ganz ohne Rauschwirkung zunutze machen, indem sie auf ein Kindheitsritual zurückgreifen. Die heiße Milch mit Honig oder eine Tasse heißer Kakao sollte vielen schließlich schon in Kindertagen bei Einschlafproblemen helfen. Die Wirkung des Gute-Nacht-Trunks hat sogar wissenschaftliche Hintergründe: Die Aminosäure Tryptophan in der Milch soll die Bildung des Schlafhormons Melatonin anregen. Milch, Kakao oder auch Pflanzenmilch eignen sich bestens dazu, sie mit wenigen Tropfen CBD Öl zu ergänzen. Auf diese Weise kombiniert man die Vorteile von Cannabidiol mit der beruhigenden Wirkung des süßen Betthupferls.

Tipp: Auch für den Honig in der heißen Milch gibt es ein CBD-Plus. Einige Hersteller bieten Manuka Honig an, der mit CBD Extrakt verfeinert wurde.

Welche Dosierung sollten Fibromyalgie-Betroffene bei CBD Öl beachten?

Im Allgemeinen sollten sich Anwender zu Beginn an die exakten Dosierempfehlungen des Herstellers von CBD Öl halten. Sie garantiert, dass es nicht zu Überdosierungen kommt. CBD Öl hat gegenüber CBD Kapseln zwar den Nachteil, dass man es selbst per Pipette dosiert, dafür geht das Cannabidiol im Öl schneller in den Organismus über als das in Kapselform. Die Anwendung ist denkbar einfach: Einige Tropfen CBD Öl werden unter die Zunge getropft, kurz im Mund behalten und schließlich geschluckt. Bereits die Mundschleimhaut absorbiert bei dieser Anwendungsform wertvolle Inhaltsstoffe aus dem CBD Öl. Wer starke lokale Muskelschmerzen hat, kann neben dem CBD Öl auch eine CBD Creme nutzen, die auf die Haut aufgetragen wird. Erwiesenermaßen passiert Cannabidiol gut die Hautbarriere und wird auch auf diesem Wege effektiv in den Organismus aufgenommen.

Welche Risiken für Nebenwirkungen und Wechselwirkungen bestehen bei CBD Tropfen?

Prinzipiell sind die frei verkäuflichen CBD Tropfen so dosiert, dass kaum etwas passieren kann. In Studien verursachten Dosierungen, die dem 500-fachen der empfohlenen Dosiermenge entsprechen nur milde Nebenwirkungen wie Durchfall oder Müdigkeit. Allerdings nehmen Fibromyalgie-Patienten unter Umständen regelmäßig Schmerzmittel ein und sollten hier die Wechselwirkungen mit ihrem Arzt abklären. CBD Tropfen können manche Medikamente, die in der Leber verstoffwechselt werden, in ihrer Wirkung verändern. Das betrifft manche Schmerzmittel, Psychopharmaka (z.B. Neuroleptika) und Magensäurehemmer. Wer als Fibromyalgie-Patient CBD Tropfen für sich ausprobieren will, sollte daher seinen behandelnden Arzt informieren.

Keine Angst vor Cannabidiol – CBD Tropfen erzeugt keine Rauschzustände

Allein die Information, dass CBD aus Cannabis gewonnen wird, beunruhigt viele Interessierte. Machen CBD Tropfen womöglich doch „high“ oder kann es rauschhafte Zustände erzeugen? Die Antwort lautet: Nein. Im Hanf kommen über hundert verschiedene Cannabinoide vor, von denen nur das THC eine Drogenwirkung ausübt. Da CBD Tropfen aus Nutzhanf mit verschwindend niedrigem THC-Gehaltextrahiert wird, kommen die Anwender zwar in den Genuss sämtlicher Flavonoide, ätherischer Öle und Cannabinoide der traditionellen Heilpflanze, müssen sich um unerwünschte Wirkungen oder Gesetzeskonflikte jedoch keine Sorgen machen. CBD avanciert aktuell nicht nur zum Trend-Nahrungsergänzungsmittel, sondern zum ernstzunehmenden Wirkstoff für Medikamente: In den USA hat es als Einzelwirkstoff bereits die Zulassung als Epilepsie-Medikament. Bei den Bemühungen der Forscher die komplexen Beziehungen zwischen dem menschlichen Endocannabinoidsystem und Krankheiten wie Fibromyalgie zu verstehen, eröffnen sich eventuell in Zukunft Perspektiven auf diesem Feld. Bis dahin können Fibromyalgie-Betroffene selbst den Nutzen von CBD Tropfen für sich bewerten.