Kann CBD bei Multipler Sklerose unterstützend wirken?

April 18, 2019

Orangene MS Schleife liegt auf einer Hand

Mediziner setzen Cannabis-Präparate in der MS-Therapie bereits ein. Auch CBD allein könnte das Wohlbefinden der Betroffenen steigern.

Multiple Sklerose ist eine Krankheit des zentralen Nervensystems, die unter anderem mit Sehstörungen, Gefühlsirritationen und Muskelverkrampfungen (Spastiken) einhergeht. Häufig tritt die Erkrankung im Alter zwischen 20 und 40 auf – Frauen sind dabei doppelt so oft betroffen wie Männer. Bis heute haben Forscher keine Heilungsmöglichkeit für MS gefunden. Mit einer Langzeit-Therapie der Multiplen Sklerose will man das Immunsystem beeinflussen und dadurch eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs erreichen. Neue Studien geben Hoffnung, dass CBD Öl das Wohlbefinden von MS-Patienten eventuell unterstützen könnte.

Wie entsteht Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose ist eine chronische entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Wo deren Ursache liegt, ist unbekannt. Fakt ist: Körpereigene Immunzellen schädigen die Umhüllung (Myelinschicht) der Nervenfasern und erzeugen Entzündungsprozesse in Rückenmark und Gehirn. Infolgedessen wird die Reizübertragung der Nerven gestört und es kommt zu Ausfällen.

Typische Folgeerscheinungen sind dann

  • Koordinationsstörungen
  • Muskelkrämpfe (Spastiken) und Muskellähmungen
  • Sehstörungen
  • Blasenfunktionsstörungen
  • Erschöpfungszustände

Die Patienten leiden darüber hinaus häufig unter Depressionen und Ängsten. Wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, ist individuell verschieden – meist treten sie schubweise auf.

Da CBD über die CB2 Rezeptoren das Immunsystem beeinflussen kann, liegt es nahe, zu untersuchen, ob es eine Wirkung auf MS-Symptome haben könnte. Leider liegen bislang nur wenige wissenschaftlich fundierte Daten vor:

Kann CBD Spastiken und Bewegungsstörungen lindern?

Die sogenannte Spastik ist eines der häufigen Symptome bei Multipler Sklerose. Der Begriff bezeichnet wachsende Muskelsteifheit, die eine Bewegung der betreffenden Muskeln schmerzhaft werden lässt. Spastiken führen letztendlich zur völligen Muskelstarre.

Bereits mehrere wissenschaftliche Studien untersuchten die Wirksamkeit von Mundspray mit CBD und THC im Verhältnis 1 zu 1 auf Muskelspastiken im Rahmen von Multipler Sklerose. Ihre Ergebnisse resümiert eine große Metaanalyse, die 14 Studien im Zeitraum von 2011 bis 2017 zusammenfasst.[1] Im Durchschnitt konnte das CBD-THC-Spray bei 42 bis 82 Prozent der Probanden mit MS die Spastik signifikant mindern.

Leider existieren bislang keine klinischen Versuche, in denen Patienten mit Multipler Sklerose reine CBD-Präparate ohne THC einnahmen. Ein Tierversuch, in dem Cannabidiol im Mausmodell für MS zum Einsatz kam, schürt jedoch die Hoffnung. Hier konnte CBD sowohl die Schädigung der Nervenzellen als auch die entzündlichen Prozesse im Körper der Versuchstiere bremsen.[2]

Existieren Erfahrungen mit CBD bei Multipler Sklerose?

Eine mittelschwere bis schwere Spastik bei MS-Patienten gilt auch bei deutschen Ärzten als Indikation für die Verschreibung cannabishaltiger Arzneimittel. Da die Präparate vielen Betroffenen helfen, wächst die Gruppe unter MS-Patienten, die sich für die Entstigmatisierung von Cannabispräparaten einsetzen. Ein prominentes Beispiel ist der bekannte amerikanische Moderator Montel Williams.

Unter MS-Betroffenen, die ihr Wohlbefinden ohne Medikamente steigern wollen, erfreut sich CBD als Nahrungsergänzungsmittel dagegen immer größerer Beliebtheit. Im Gegensatz zu THC wirkt es nicht psychoaktiv und ist legal im Handel erhältlich. Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Ängste sind bei CBD ebenfalls ausgeschlossen. Bis Daten zu CBD als Einzelpräparat vorliegen und es gegebenenfalls auch MS-Patienten verordnet wird, bleibt den Betroffenen nur das Ausprobieren von Nahrungsergänzungsmitteln wie CBD Öl oder CBD Spray. Falls sie dauerhaft Medikamente einnehmen, sollten sie die Einnahme von Cannabidiol jedoch vorab mit ihrem Arzt abklären, um Wechselwirkungen auszuschließen.