CBD als Antibiotikum – hilft Cannabidiol gegen bakterielle Infektionen?

Oktober 23, 2019

Sitzender Mann mit CBD Öl in der einen und Antibiotika in der andren Hand

Aktuelle Studien bescheinigen CBD eine Wirkung gegen unterschiedliche Bakterienarten

Ob Magengrippe, Blasenentzündung oder Atemwegsinfektion – beinahe jeder Patient musste schon einmal im Leben Antibiotika einnehmen, um Beschwerden loszuwerden. Bei der wachsenden Berichterstattung über resistente Keime vertrauen allerdings immer weniger Menschen den chemischen Medikamenten vorbehaltlos; viele sehen sich nach Alternativen um. Könnten Naturstoffe wie z.B. CBD Öl hier tatsächlich helfen?

Was bewirkt ein Antibiotikum?

Der Begriff Antibiotika setzt sich aus den griechischen Begriffen anti und bios“ zusammen und bedeutet so viel wie: gegen das Leben. Ursprünglich bezeichnete man damit von Bakterien ausgestoßene Stoffwechselprodukte, die in ihrer Umgebung das Wachstum anderer Mikroorganismen hemmen. In der modernen Medizin gelten sämtliche teil- und vollsynthetischen Substanzen, die Bakterien abtöten und ihre Vermehrung hemmen als Antibiotikum.

Probleme mit Antibiotika – haben natürliche Wirkstoffe Vorteile?

Das größte Problem beim Einsatz von synthetischen Antibiotika ist, dass bestimmte Bakterienstämme mit der Zeit unempfindlich (resistent) gegen sie werden und ein Medikament seine Wirkung verliert. Dabei fördert nicht nur die häufige Verordnung von Antibiotika die Resistenzen, sondern auch ihr industrieller Einsatz. In der Tiermast wollen Produzenten Infektionskrankheiten durch großflächige Antibiotikagaben vorbeugen, riskieren damit jedoch Rückstände in ihren Produkten. Die wiederum können beim Verbraucher zur Bildung resistenter Bakterienstämme führen.

Im Rahmen der Suche nach Medikamenten gegen resistente Keime prüfen Forscher verstärkt natürliche antibakterielle Substanzen wie Oregano-Öl, Knoblauch-Extrakte oder Honig. Hier besteht die These, dass Natursubstanzen zu komplex sind, als dass Bakterien Resistenzen gegen sie bilden könnten. Im Zuge dessen wird auch CBD für die Forschung interessant:

Besitzt CBD antibiotische Eigenschaften?
Dass Cannabidiol einen antibakteriellen Effekt auf Streptokokken und Staphylokokken ausübt, wiesen Forscher bereits in den 1970er Jahren nach.[1] Damals schloss man aus den Ergebnissen, dass diese Wirkung nur für gram-positive Bakterien gilt, wogegen gram-negative Bakterien gegen CBD resistent seien.

Andere Daten präsentierten jetzt das Forscherteam um Mark Blaskovich auf der diesjährigen Konferenz der American Society for Microbiology, ASM Microbe in San Francisco. Die bislang unveröffentlichte Studie zeigt laut Blaskovich, wie CBD Bakterienstämme eliminierte, die bereits gegen gängige Antibiotika resistent sind. Darüber hinaus entwickelten sich keinerlei Resistenzen gegen Cannabidiol bei den Bakterien, selbst wenn sie dem Cannabinoid rund 20 Tage lang ausgesetzt wurden. CBD demonstrierte dabei laut den Wissenschaftlern Wirksamkeit gegen MRSA, dem methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, der für folgenschwere Krankenhausinfektionen verantwortlich ist.

Der leitende Chemiker Mark Blaskovich erläuterte im Interview mit der Newsweek den aktuellen Kenntnisstand zu CBD als Antibiotikum: „Wir wissen noch nicht, wie es funktioniert, doch es könnte einen einzigartigen Mechanismus ausüben, falls sich bestätigt, dass es gegen antibiotikaresistente Keime wirkt.“

Kann CBD die Wirkung von Antibiotika verstärken?

Wie CBD resistente Keime beeinflussen könnte, demonstrierten Forscher in einer 2019 veröffentlichten Studie: Als äußere Membranvesikel bezeichnen Fachleute Stoffe, die Bakterien über ihre Außenhülle abgeben. Sie dienen in erster Linie der Kommunikation der Bakterien untereinander, aber auch dem Austausch von DNA, der Bildung eines Biofilms und dem Ausschütten von Abwehrenzyme gegen Immunzellen. Cannabidiol kann diese Membranvesikel insbesondere beim Bakterium E.coli wirksam hemmen. In der Folge wirkten verschiedene Antibiotika in der Kombination mit CBD stärker gegen bestimmte gram-negative Bakterien. Laut den Autoren könnte CBD eventuell helfen, die Resistenzbildung gegen Antibiotika zu reduzieren.[2]

Darf CBD in Deutschland als Medikament eingesetzt werden?

Aktuell ist CBD in Deutschland nur in Kombinationspräparaten mit THC als Medikament erhältlich. Sie dienen unter anderem der Therapie von Multipler Sklerose. In den USA ist das CBD-Einzelpräparat Epidiolex jüngst als Epilepsie-Medikament zugelassen worden. Für viele andere Anwendungsbereiche wie die Linderung von Kopfschmerzen, Ängsten und rheumatischen Beschwerden existieren zwar vielversprechende Studienergebnisse, jedoch nicht genug Daten, um eine Verkehrsfähigkeit als Medikament zu untermauern.

Allerdings ist CBD als Nahrungsergänzungsmittel und in Kosmetikprodukten in Deutschland frei erhältlich. Hier kann jeder Konsument selbst für sich herausfinden, ob es sein persönliches Wohlbefinden – etwa bei einer Erkältung – steigern kann.